Hinter den Kulissen von Whisky-Messen

Für die meisten Besucher von Whisky-Veranstaltungen steht ja das Probieren und Schauen nach Whisky-Neuigkeiten im Vordergrund. Da ich dann normalerweise hinter dem Stand stehe, muss ich mich mit dem Probieren etwas zurückhalten und für Gespräche ist oft erst spät abends bei einem Absacker Zeit.

Entsprechend habe ich es auf dem Austrian Whisky & Spirits Festival 2012 sehr genossen, dass ich neben meinem eigenen Whisky Chamber Masterclass Tasting endlich auch einmal Zeit zum Rumschlendern und ausgiebigen Gespräch mit ein paar alten Bekannten aus der privaten Schottischen Whiskyindustrie zu hatte.

Da war zum Beispiel Raymond Armstrong mit Familie, die Besitzer von Bladnoch.
Das Treffen mit den 4 1/2 Armstrongs war besonders wichtig, weil ich seit meinem letzten Besuch noch eine Fass-Frage aus 2007 offen hatte…. angeblich soll da auch schon mein Name auf dem Whiskyfass stehen. Im Juli bin ich wieder in der Gegend und werde das auf jeden Fall vor Ort überprüfen ;-).
Am Stand der Veranstalter war aber nicht nur Bladnoch vertreten, sondern auch der Whisky-„Dinosaurier“ John McDougall mit seinen eigenen Golden Cask Abfüllungen. Sein Ansatz mit dem „Whisky Renten Fundus“ ist wieder eine Bestätigung für mich, dass ich auch mein Ruhegeld in „liquide“ Mittel 😉 anlege. Leider wird es aber immer schwieriger für freie Abfüller, leckere Fässer zu finden… was mir alle meine Gesprächspartner bestätigen mussten.

Andererseits ist es gerade die regelmäßige Kontaktpflege und die Besuche bei den Destillerien und unabhängigen Abfüllern, die meinen Job so spannend machen – und nicht zuletzt, wenn ich dann doch wieder ein tolles Fass gefunden habe und meine Kunden zufrieden sind.

In diesem Sinne: auf zur nächsten Schottlandreise!
Slainte

Whisky aus dem Kunststofffass !?

Die Optimierungs- und Rationalisierungswelle macht auch vor Scotch Single Malt Whisky nicht halt. Was wir schon lange aus der Weinindustrie kennen – die Wein“maker“ aus den USA, Australien und Südafrika, die Reifung nicht als Prozess, sondern als „machbar“ betrachten – hat uns jetzt auch in Schottland eingeholt.

Bis vor Kurzem hat man das Thema mit Verweis auf die Tradition vehement abgestritten, doch unter anderem die große Nachfrage aus den Wachstumsmärkten in Asien und Lateinamerika (+23% Exportsteigerung in 2011) hat dazu geführt, dass man man nach Alternativen für einen schnelleren und günstigeren Prozess für die Aromaentwicklung sucht:

Konkret wird darüber nachgedacht, wie sich eine schnelle Reifung in 1000l Kunststoffcontainern auswirkt. Dabei könnte für die Reifung Sauerstoff in den Alkohol geleitet werden und für die typischen Fassaromen kämen dann – wie beim Wein – entsprechende Holzspäne zum Einsatz. Die Zugabe von Spurenanteilen von Sherry, Port oder Wein würde die Wirkung der Aromaelemente aus den Holzfässern simulieren. Das Einfärben von Whisky ist ja bereits heute schon verbreitete Praxis.

Zur Entwicklung und Abstimmung der Regeln soll diese Woche die „Whisky Maker Association“ gegründet worden sein, wo die großen Whisky Produzenten an einem Tisch sitzen, um die entsprechenden Details zu diskutieren. Ein solcher Schritt würde nicht nur jahrhundertealte Traditionen über den Haufen werfen, sondern weitreichende Änderungen in den bestehenden Vorschriften der SWA (Scotch Whisky Association) zur Namensgebung, Export-Richtlinien benötigen.

Da sage ich nur gute Nacht mein lieber Single Malt Scotch Whisky – und schnell noch ein paar echte Fässer kaufen!

Slainte

Glenfarclas – Familientradition im Speyside

Seit der „offiziellen“ Gründung 1852 ist die Glenfarclas Destillerie ununterbrochen im Familienbesitz der Grant Familie. Zuvor hatten Pächter auf dem Gelände bereits Alkohol gebrannt, aber seit 160 Jahren geht die Leitung über Generationen immer an den nächsten Grant-Sohn über.

Im Oktober 2011 habe ich die Destillerie mal wieder mit einer Reisegruppe besucht und man konnte gut erkennen, dass auch über Generationen immer wieder viel Geld in die Destillerie investiert wurde: alles ist auf dem neusten Stand, was aber nicht heißt, dass die Tradition auf der Strecke geblieben ist.

Das zeigte sich unter anderem im herzlichen Empfang und der sehr individuellen Betreuung vor Ort durch den Marketing-Leiter Ian McWilliam. Besonders hat die Besucher gefreut, dass hier noch alles fotografiert werden durfte, was in vielen Destillerien auf dem bekannten „Malt Whisky Trail“ leider keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Auch das „bonded Warehouse“ wurde nicht ausgelassen und bei den schönen alten Fässern kam einem schon mal der Gedanke, einen LKW zu chartern und aufzuladen… 😉

Danach ging es zum probieren in einen ganz besonderen Tastingroom – den „Ships Room“ aus Paneelen der „RMS Empress of Australia“ (die 1913 immerhin in Deutschland gebaut wurde und bis 1919 unter deutscher Flagge fuhr) – was für eine tolle Atmosphäre! Diese Schiffs-Verbindung mitten im Speyside ist schon recht speziell aber ausser einer persönlichen Vorliebe des Eigners scheint es keine besondere Geschichte dazu zu geben. 

Ian hat die Spekulationen aber schnell mit seinem „spezial“ Tasting beendet als er für uns eine Flasche „Family Cask“ von 1960 öffnete (komisch, wie hat er nur mein Geburtsjahr erraten ;-)). Das war ein schönes Highlight gleich am Anfang und es ging dann allerdings etwas jünger weiter, wobei die Abfüllung von 1974 auch nicht gerade ein junger Hüpfer war. Es folgten etliche Fassproben, die das Tasting definitiv für alle Teilnehmer zu etwas besonderem machte.  Ich frage mich wirklich, wie Ian das beim nächsten Besuch steigern will??? 😉

So ein Familieunternehmen ist schon etwas besonderes und bei schottischen Destillerien leider nur noch ganz selten anzutreffen.

Wer kann, sollte bei seiner Schottland- und Whisky-Reise einen Besuch einplanen. Ich komme bestimmt wieder!

Slainte

Lochranza – mein Frühlingswhisky 2012

„Lochranza“  – hm, wo der wohl herkommt? 

Die Destillerie wurde 1995 eröffnet und hat 1996 so richtig mit der Produktion begonnen. Sie liegt auf einer hübschen Insel und man kommt an ihr vorbei, wenn man mit der Fähre in Brodick landet und dann von Lochranza weiter nach Kintyre fahren will?

Die Destillerie möchte ihre noch junge Marke schützen und sieht es darum nicht so gerne, wenn private Fässer unter ihrem Namen verkauft werden. Darum die kleine Geheimniskrämerei… aber eigentlich ist es doch nicht schwer 😉

Ich mag die leichte Fruchtigkeit der Whiskys besonders für den Sommer und habe darum bereits einige Fässer von dort. Darunter ist auch ein Fass aus dem ersten Produktionsjahr, von dem ich jetzt fand, dass es die optimale Reife erreicht hat. 

Interessant ist dabei die deutliche (und wie ich finde sehr positive!) Veränderung, die der Whisky durchgemacht hat, seit ich bei einem Fassbesuch vor 3 Jahren darüber berichtet habe: die Vanille- und Karamell-Noten sind einer stärkeren Fruchtigkeit gewichen. 

Tastingnotes:

Lochranza 1996, 15 Jahre, 54,9%vol. (sherry refill cask)

Aroma:          sehr komplex – eine leichte Sherry-Süße
                       Honigmelone und feine Zitrusnoten.
                       Am Ende kommt eine leichte Kräuternote
                       (Waldmeister: Jugenderinnerungen werden wach ;-))

Geschmack:  Honigmelone mit einem Hauch Sherry
                       (nicht aufdringlich), Kräuter und eine
                       fruchtige Süße
Nachklang:    lang mit einer feinen Süße

Der Sommer kann kommen!

Slainte





Tullibardine spricht jetzt französisch


Nach der Wiedereröffnung 2003 war Tullibardine eine der wenigen schottischen Whisky-Destillerien im Besitz von Privatinvestoren. Die Partner wollten sich von den großen Whisky-Konzernen abgrenzen und schnörkellose Destilleriekunst  praktizieren.

Idealismus ist bekanntermaßen nicht immer sehr profitabel, so dass 2008 schon einmal Übernahmegerüchte für die Destillerie im Süden der Highlands aufkamen. Im Dezember 2011 war es nun so weit: Tullibardine ging an die „Maison Michel Picard“, einen französischen Spirituosenhändler und Weinproduzenten.

Die erste große Handlung der neuen Besitzer aus Frankreich war es, dem Sales & Marketing von Tullibardine mitzuteilen, dass keine Fässer mehr (weder frische noch vorgereifte) an Dritte verkauft werden dürfen. Das ist darum so schade, weil man bei Tullibardine auch als „Kleinabfüller“ mit allen möglichen Fässern und Fassgrößen experimentieren durfte: über ex-Bourbon-, Sherry-, Port- bis hin zu Rum-Fässern – und auf meinen besonderen Wunsch hin wurden sogar Quartercasks eingeführt.
Das ist jetzt leider alles vorbei ;-(. 

Wie viele Whiskyfreunde aus der ganzen Welt sind nach Blackford gepilgert, um ihre Fässer zu besuchen. Ich kenne keinen, der nicht in den höchsten Tönen von der Atmosphäre in der Destillerie und dem Whisky geschwärmt hat – das beste und auch noch kostenlose Marketing.

Da wird etwas Großes aus der Hand gegeben und in die Hände von Importeuren gelegt, die in der Regel einen ganzen Bauchladen von Whiskys vertreiben. Zum Glück gibt es noch ein paar andere Quellen, aber schade ist es trotzdem…

Slainte

Irland verliert seinen letzten Whiskey

Keine Bange: auf der grünen Insel wird schon noch Whiskey hergestellt, aber eben nicht mehr von einem „Irischen Unternehmen“: 

Photo courtesy PDPhoto.org

Gerade wurde bekannt, dass die Firma Cooley mit ihren Marken (z.B. Connemara, Tyrconnel)  an den amerikanischen „Beam“ Konzern gegangen ist (man kennt die Firma von Jim Beam Bourbon und Teachers Scotch Whisky).

Das ist darum bemerkenswert, weil der Eigentürmer von Cooley, Mr. Teeling in den 80er Jahren seine Firma gerade aus Protest gegen den Verkauf von United Irish Distillers (UID) an Pernod Ricard gegründet hatte. Er hatte seinerzeit die Brennerei in Irland erworben, um weiter einen „nationalen“ Whiskey zu produzieren.

Aber letztendlich geht es wohl doch um Geld und Marktmacht und darum geht die Konzentration im Whiskey & Whiskybusiness weiter – hoffen wir mal, dass das nicht irgendwann zu einem „Einheitswhisk(e)y führt.

Slainte

Islay Christmas Malt 2011

Irgendwie ist für mich jetzt schon Weihnachten: Gerade habe ich meine neueste Abfüllung bekommen, einen Bunnahabhain, destilliert am 24. Dezember 1990 – was gibt es Besseres zum Fest für einen Whisky-Fan?

Am liebsten hätte ich das Fass natürlich am 24.12.2011 abfüllen lassen, aber das ist ein Samstag und da wird auch in Schottland nicht überall gearbeitet – und wir hätten ihn nicht rechtzeitig zum Fest im Glas…

Dabei passt der unpeated Bunnahabhain aus einem Sherry first fill cask bestimmt auch sehr gut als Digestif zur Weihnachtsgans (Alkohol hat er jedenfalls noch genug).

Tasting Notes:
Bunnahabhain (TWC)1990/12/24, 
20 Jahre, 54,2%vol.

Region:         Islay
Aroma:         Eingelegte Kirschen & dunkle Schokolade (Mon Cherie), eine leichte, süßliche Kräuternote
Geschmack:  Der Sherry ist recht dominant, was ihm aber nicht schadet und am Ende sehr rund
Nachklang:   mittel bis lang und für einen first fill Sherry mit 20 Jahren sehr harmonisch
Slainte und lassen wir die letzten Monate des Jahres auf uns zukommen

Helikopter Whiskytasting in der Schweiz

Und wieder einmal gab es auf ca. 4.000 Meter eine Überraschung – ich hatte es nach den Erfahrungen der letzten Jahre auch schon fast erwartet. Aber der Reihe nach:
Die Vorausscheidung für das alljährliche Höhentasting der „Smallest Whisky Bar on Earth“ (SWBOE) fand wieder am Freitag (19.8.11) vor dem eigentlichen Abheben statt.

7 Whiskies und ein Rum mussten blind gegeneinander antreten und nur die 3 Whiskies mit den meisten Punkten (der Rum trat außer Konkurrenz an) durften am Samstag mit in den Heli. Mit etwas mehr Egoismus (ich hatte meiner eigenen Abfüllung zu wenig Punkte gegeben) hätte ich es mit meinem Glengoyne wohl noch so gerade ins Finale geschafft – aber so sind

  • der Bunnahabhain von (C&S), 
  • der Glenlivet 21 Jahre und
  • der „Namenlose Whisky“ aus der Schweizer Destillerie Locher
zum Rundflug über die Engadiner Bergwelt gestartet.
Vorbereitungen


Für das Tasting hat die SWBOE extra ein „Tastingboard“ anfertigen lassen, damit man während des Fluges die Hände frei hatte und etwaige „Schräglagen“ ausgleichen konnte – ein gewaltiger Aufwand, aber es hat prima funktioniert. Mal schauen, ob Detlef sich das Teil patentieren lässt?

Wer war der Gewinner?

Wie im letzten Jahr war es wieder der Schweizer Whisky (ich glaube, der wird extra so destilliert und gelagert, dass er ab 2.000m sein bestes Aroma entwickelt. Ich wüsste nur zu gerne, wie der Vergleich ausginge, wenn er auf Meereshöhe oder in den Schottischen Highlands gemacht würde… 😉

Das Flugwetter war einmalig und wir hatten trotz des Whiskies (nein, wir waren nicht benebelt!) eine einmalige Aussicht auf die Berge um Samedan und St. Moritz!
Wieder einmal hat sich Detlef Sommer für uns etwas ganz besonderes einfallen lassen. Die Latte liegt buchstäblich immer höher und es wird somit für 2012 bestimmt nicht leicht, eine Steigerung für uns „Taster“ zu organisieren. Lassen wir uns überraschen!
Slainte und vielen Dank nochmals an den Organisator!

Whisky in the Sky…

Nach früheren Höhen-Tastings auf über 3000m auf dem Piz Umbrail (2008) und dem Piz Corvatsch (2009) ging es letztes Jahr *in* den Berg zum Whisky Blind Tasting:

Start war das Kraftwerk Palü, wo es dann mit der „Puschlaver Geisterbahn“ entlang der Druckleitung – im(!) Berg – steil in die Tiefe ging.
Diesmal will die “Smallest Whisky Bar on earth” in Samedan noch höher hinaus, und zwar mit einem Helikopter – also sozusagen ein „Blind Heli Tasting“.
Ich bin diesmal mit meinem TWC Glengoyne von 1997 dabei – einem Sherry first fill. Hier die Tasting Notes (erstellt auf ca. 360 m ü.NN. – der Geschmack verändert sich ja erfahrungsgemäß in der Höhe etwas):

Glengoyne (TWC) 1997 – 13 Jahre
53,8%vol., Sherry first fill

Aroma:         Sherry (kein Wunder), Fudge und dunkle Schokolade
Geschmack: schwere Sherrytöne (sehr ölig), schwarzer Tee mit einem Tropfen Milch
Nachklang:  die Sherrysüße bleibt lange am Gaumen und recht wenig Holz

Ich bin schon gespannt, wer dieses Jahr der Lieblingswhisky der Teilnehmer wird und hoffe, dass mein Glengoyne unter die Top 3 kommt (also in den Helikopter ;-))

Slainte und auf in den Himmel über dem Engadin